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Was Heinrich Weingartner über das Billardspiel und seine Entstehung in Erfahrung brachte:
Das Billardspiel wurde im Laufe des 14. Und in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts entwickelt. Im 15. Jahrhundert werden auch die ersten Billards durch Eintragungen in Rechnungsbüchern belegt. Billard ist also im Prinzip ein auf den Tisch gehobenes Rasenspiel. Die Bande, das ist der heute mit Gummi versehene erhabene Rand, hatte ursprünglich nur die Funktion, das Herabfallen der Bälle zu verhindern. Die Polsterung der Bande wurde vermutlich vorgenommen, um das unangenehme Geräusch des am Holz aufprallenden Balles zu mildern. Der Nebeneffekt, dass mit Verbesserung der Bande auch der "Abschlag" stärker wird und damit Platz zum Aufsetzen des Schlägers (Mace) geschaffen wurde, könnte auch eine Rolle gespielt haben. Der Versuch, einem Land oder gar einer Person die Erfindung des Billardspiels zuzuordnen, muss derzeit scheitern. Zur Zeit der Renaissance gab es in den obersten gesellschaftlichen Schichten einen starken kulturellen Austausch. Mit den aus dynastischen Gründen geschlossenen Heiraten wurden auch kulturelle Eigentümlichkeiten über große Distanzen transportiert. Aber auch andere Anlässe bewirkten die Verpflanzung von Sitten und Brauchtum. Ein Beispiel: Ferdinand I: verpflanzte die in seinem Heimatland Spanien gepflegten Ballspiele nach Wien und errichtete 1525 das Ballhaus. Man kann sagen, dass auf zwei Ebenen gespielt wurde. Die eine war die Ebene der im Volk verwurzelten Spiele, die andere umfasste die verfeinerten Spiele, die in einem Kreis gepflegt wurden, der europäisch und übernational dachte. Lassen sich Billards im 15. Jahrhundert vorwiegend über Rechnungsbücher belegen, so spielen sie im folgenden Jahrhundert bereits eine konkrete Rolle in der Geschichte. In Wort und Bild häufig dargestellt ist die Szene, wie Karl IX. (1560-1574) während des Protestantenmassakers in der Bartholomäusnacht (23./24. August 1572) das Billardspiel unterbrach, um vom Fenster des Louvre aus mit der Armbrust oder dem Gewehr auf die fliehenden Hugenotten zu schießen. Das behaupten jedenfalls Brantome und d'Aubigne, doch sie kommen als Augenzeugen nicht in Frage, da sie sich zu dieser Zeit nicht in Paris aufhielten. Überdies kann sich die Szene so nicht abgespielt haben, da jener Trakt des Louvre erst viel später, als Karl IX. und seine beiden Brüder, Franz II. und Heinrich III., längst tot waren, unter Heinrich IV. erbaut wurde. Es ist dies ein Beispiel übelster Geschichtsfälschung. Gleichwohl beschloss der Pariser Konvent am 20. Oktober 1793 die Errichtung eines Schandpfahles an der Stelle, von wo aus Karl IX. auf das Volk geschossen haben soll. Im 16. Jahrhundert war das Billardspiel in höfischen Kreisen allgemein eingeführt. Die unglückliche Maria Stuart setzte noch kurz vor dem blutigen Drama, dem sie am 8. Februar 1587 in Schloss Fotheringhay zum Opfer fiel, den Erzbischof von Glasgow brieflich von der ihr drohenden Hinrichtung mit dem Hinzufügen in Kenntnis, dass man, um Platz für die Exekution zu schaffen, bereits ihr "Table de Billard" entfernt habe. Auch Spenser, der berühmte Dichter des Schäferkalenders und der Feenkönigin, der 1599 zu London starb und als letzter Romantiker der Renaissance in Westminster beigesetzt wurde, schrieb:
Das
Billardspiel (balyard) Und an anderer Stelle merkte er von "Affen" in "Nother Hubbards Tale" an:
Tausenderlei Sachen konnte man ihm beibringen, Wenige Jahre später, 1605, bestellt König James I. von England einen Billardtisch bei dem Tischler Henry Waller, der damit der erste namentlich bekannte Billardtischerzeuger wurde. 1634 wird zum ersten Mal der Begriff „Akademie“ für einen Billardsaal angewandt. Es war dies in einem Edikt von Ludwig XIII. von Frankreich, zur Einschränkung des übertriebenen Luxus in den Billardsälen. Dem Franzosen Michel de Chamillard sagte man sogar nach, dass er über das Billardspiel in die höchsten Ämter aufstieg. Er war Finanzkontrolleur und ständiger Partner König Ludwig XIV. Mit Geschick verstand der als guter und gewandter Billardspieler bekannte Chamillard es, nicht zu gut und nicht zu schlecht zu spielen, um seine Majestät bei Laune zu halten. Dies brachte ihm auch die Ernennung zum Kriegsminister ein. Als das Glück die französische Armee verließ, musste Chamillard abtreten. Ein Epigramm, das ein Spötter verfasst hatte, ist noch erhalten:
Hier
liegt der berühmte Chamillard, Während die Einhebungen von Steuern bei Brett- und anderen Kleindimensionierten Spielen praktisch nicht durchführbar war, war es beim Billard anders. Der schwere Tisch hatte seinen festen Platz im Lokal. Allerorts wurden Taxen und Steuern auf Billardtische eingehoben; so wurde in Hamburg in einer Verordnung vom 24. November 1710 bestimmt, dass jeder, der in seinem Haus ein Billard öffentlich bereithält, eine Abgabe von 20 Reichstalern entrichten muss. Eine tief greifende Änderung geschah ungefähr in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Statt dem Mace setzte sich Queue, ein konischer Stab, der am dickeren Ende von der Hand umfasst wird und dessen dünneres Ende über die am Billardtisch aufliegende Hand geführt und gegen den Ball gestoßen wird, immer mehr durch. Da die Treffsicherheit mit dem Queue wesentlich größer war als mit dem Mace, wurde der Gebrauch allgemein dieses neuartige Queue bewirkte auch, dass die Frauen, die vordem das Billardspielen betrieben, sich immer mehr davon zurückzogen. Der Grund lag in der Kleidung. War das Gewand eines Mannes um 1770 bequem und erlaubte jede Streckung und Beugung des Körpers, so trugen die Damen große Roben, deren Drahtgestelle nur ein aufrechtes Schreiten zuließen. Auch die hoch aufgetürmten Frisuren verhinderten die spielgerechte Kopfhaltung. Die Damen waren also im Spiel stark benachteiligt und auf den Stichen der Zeit werden sie immer weniger abgebildet. Einige Billardfabrikanten fügten ihren Erzeugnissen wohl bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts neben den Queues auch Maces bei, um den Damen die Möglichkeit zum Spiel zu bieten. Zum Einsatz werden sie aber kaum gekommen sein. Wer spielt schon gerne mit, wenn er von Beginn an benachteiligt ist! Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde in Europa die Zahl der Kaffeehäuser immer größer. Um die Gäste zu halten, wurden verschiedene Spiele geboten. Am häufigsten spielte man mit Würfeln, Tric Trac (das heutige Backgammon) und Schach. Auch Billards tauchten vermehrt auf. Ihre Aufstellung wurde fast immer an eine behördliche Genehmigung gebunden. In Wien wurden die Billards pauschal unter dem Titel "Nebenerwerb der Kaffeesieder" zugelassen. Solange die Kaffeehäuser in Wien hauptsächlich innerhalb der Stadtmauern waren - 1779 zählte man hier 21 Betriebe - waren es Platzprobleme, welche die Vermehrung des Billards verhinderten. Die Kaffeehäuser außerhalb des Stadtkerns verfügten teilweise schon über Billardsäle. Die berühmtesten waren in der Vorstadt Leopoldstadt an der Schlagbrücke (heute Schwedenbrücke) und davon galt wieder eines, das Hugelmann, als die "Universität der Billardspieler". Auch hier waren die Damen ausgeschlossen. Das Publikum des klassischen Kaffeehauses war eine reine Männergesellschaft. Dazu kam der Qualm aus vielen Pfeifen, der die Sicht auf wenige Meter einschränkte. Besonders im Winter war es nach zeitgenössischen Berichten unerträglich, da ein Lüften wegen des Wärmeverlustes vom Besitzer verhindert wurde. Auch unappetitliche Bräuche, einer der noch harmlosesten davon war das Herumreichen einer Pfeife durch den Gastdiener, waren nichts für die zarten Nerven der Damen. Einige Jahre lang werden wieder Frauen vermehrt beim Billard, allerdings im privaten Kreis, abgebildet. Es war dies die Zeit des Empire mit seiner hellenophilen Einstellung. Die Frauen waren von den Fesseln der beengenden Kleidung befreit und kleideten sich in lange Gewänder aus fließenden und oft durchschimmernden Stoffen. Einziger Nachteil: diese Mode verlangt von der Trägerin die Proportionen einer griechischen Göttin. Eine revolutionierende Erfindung wurde 1807 gemacht. Der Franzose Francois Mingaud klebte auf die Spitze seines Queues ein kleines Lederplättchen. In Verbindung mit Kreide konnte man ab nun den Ball exzentrisch treffen und ihm Drall, in der Fachsprache Effet oder Fälschung, mitgeben. Damit weitete sich das Spiel kolossal aus. Ein mit Effet gespielter Ball veränderte seinen Abschlag an der Bande, ein unter der Mitte getroffener Ball kehrte sogar nach Berührung eines zweiten Balles um und lief zurück ! Das Spiel mit rein sportlicher Zielsetzung war damals so gut wie unbekannt. Bestenfalls war das Spiel mit dem Zweck der reinen Unterhaltung üblich. Billard wurde um Geld gespielt. Das geringste war das Billardgeld, also die Miete für die Benützung, oder eine vorher vereinbarte Summe. Schon im 18. Jahrhundert gab es so genannte Billardmeister. Diese lebten professionell vom Spiel und suchten sich ihre Opfer unter den Spielern, die ihr Können überschätzten. Wolfgang Amadeus Mozart (siehe Homo Luden V) war das prominenteste unter ihnen. Der in England entwickelte Sportgedanke hat auch das Billardspiel stark beeinflusst. Mit der Abhaltung von Wettkämpfen und Turnieren nach genauen Regeln hat sich Billard zum Sport entwickelt. Das Ziel war der Sieg und das Gefühl, der Beste zu sein. Man spielte um Medaillen, Pokale und Ehrengeschenke. Die absolute Spitze spielte auch für Geld. Aber es war normalerweise nicht das Geld des Gegners, sondern eine Summe, die anderwertig aufgebracht wurde. Die ersten Turniere wurden in England abgehalten. Edwin Kentfield, der 1839 das Buch „Kentfield on Billards with Illustrations“ schrieb, bezeichnete sich als Meister von England und hatte diesen Titel im Wettkampf im Jahre 1825 gewonnen. Auch die Wissenschaft wurde auf das Billardspiel aufmerksam. Der berühmte französische Mathematiker Gaspard-Gustave Coriolis verfasste das Buch "Theorie Mathematique des Effets du Jeu de Billard", welches 1835 erschien und zu den Kostbarkeiten des Billardmuseums zählt. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich technische Verbesserungen der Billardtische allgemein durch. Die Holzplatten verschwanden und wurden durch Platten aus Marmor oder Schiefer ersetzt. Diese Steinplatten konnten fast perfekt eben geschliffen werden. Dies ermöglichte wiederum die Verwendung von dünneren, glätteren Billardtüchern, da Unebenheiten nicht mehr kaschiert werden mussten. Damit konnte die Laufstrecke der Bälle verlängert werden, und die Kombinationsmöglichkeiten erhöhten sich. Auch die Bande erfuhr eine wesentliche Verbesserung. Die Stopfbande - eine mit elastischem Material wie Rosshaar, Baumwolle usw. gefüllte Polsterung des Billardrandes - kam außer Gebrauch. An ihre Stelle trat die Gummibande, deren präzises, meist dreieckiges Profil, einen kontrollierbaren Abschlag des Balles hervorbrachte. In der Folge entstanden nationale Billardverbände. Der erste davon, die Billard Federation of USA, im Jahre 1873. Die dort aufgestellten Regeln und Normen für das Spiel und die Spielgeräte wurden allgemein übernommen. Der nun einsetzende internationale Sportbetrieb, anfänglich zwischen Frankreich und den USA, führte zu einer weiteren Verbreitung des Billardspiels. Die Unterscheidung zwischen Berufsspielern und Amateuren wurde strikt eingehalten und alle nationalen Verbände vertraten überwiegend die Amateure, während die Profis entweder frei schaffend wirkten oder unter Vertrag einer großen Billardfabrik standen. Die erste Weltmeisterschaft der Profis fand 1873 in New York statt, die Amateure gründeten ihren Bewerb dreißig Jahre später. Wenn wir vorher von Billard sprechen, so darf nicht übersehen werden, dass es sehr viele Unterarten oder Spielvarianten gibt, deren Verbreitungsgebiet mit der Kolonialisierung zusammenhängt. Das Carambolspiel wird mit drei Bällen auf taschenlosen Billards gespielt. Es ist aus dem Geist der französischen Aufklärung entstanden. Alle Hindernisse, Taschen, Tore, Pforten usw. wurden entfernt. Es verblieb nur die Spielfläche im Verhältnis 1:2 und die Aufgabe, mit dem Spielball die beiden anderen Bälle zu treffen. Es ist in Ländern mit kolonialer englischer Vergangenheit nicht oder kaum vertreten. Pool wird mit 15 nummerierten Bällen und einem weißen Spielball auf Billards mit 6 Taschen gespielt. Es wurde in den USA aus älteren Spielen entwickelt und hat weltweite Verbreitung. 22 Bälle werden beim Snooker verwendet. Der Tisch ist mit 3,5 x 1,75m das größte gebräuchliche Billard. Snooker wurde in Indien gegen Ende des vorigen Jahrhunderts von englischen Offizieren erfunden. Es verdrängte die klassische englische Spielform English Billiards. Dieses wird auf dem gleichen Tisch, jedoch mit drei Bällen gespielt. Die vierte größere Art des Billardspiels ist die Kegelpartie. Da sie sich aus alten, national abgegrenzten Spielformen in verschiedenen Gebieten eigenständig entwickelt hat und kaum internationale Kontakte bestanden, ist es die uneinheitlichste Gruppe. Hauptgebiete sind Italien und Gebiete mit starkem italienischem Bevölkerungsanteil, wie z.B. in Uruguay und Argentinien. Dazu kommt ein Gebiet, das sich etwa mit Sachsen deckt. Kegel, Billardtisch und Regeln haben mit der italienischen Kegelpartie wenig gemeinsam. Das dritte Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Dänemark, Skandinavien bis in die westlichen Teile Russlands. Zusammenfassend kann man sagen, dass Billard weltweit verbreitet ist. Man findet Billardtische im Hochland von Tibet genauso wie in den Dschungeldörfern das Amazonas. Diese Geräte haben natürlich nur wenig mit den hochpräzisen Tischen gemeinsam, die im Sportbetrieb eingesetzt werden, aber es sind Billards.
Bekannt ist das Billardspiel nicht nur den aktiven Sportlern oder den
Fernsehzuschauern von Sportsendungen. Billard ist die Kunst, mit einem
Spielstock, dem Queue, bunte Kugeln mit Hilfe der weißen Spielkugel zu einer
Karambolage zu bringen oder sie in eine der sechs Löcher/Taschen im Billardtisch
zu versenken. Doch wer ahnt schon, dass dieses Spiel, zu dem ein riesiges Maß an
Konzentration und Kondition gehört, eine mehr als 2.000 Jahre alte Tradition
besitzt? 1807 |
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